Im Frühjahr verkaufen oder lieber schon jetzt? Warum Herbst und Winter beim Immobilienverkauf durchaus Chancen bieten und worauf Eigentümer achten sollten.
Wenn es um den besten Zeitpunkt für den Immobilienverkauf geht, fällt häufig dieselbe Antwort: im Frühjahr. Schließlich blüht dann alles, die Tage werden länger und der Garten präsentiert sich von seiner schönsten Seite.
Im Herbst und Winter sieht die Sache vermeintlich anders aus. Kahle Bäume, grauer Himmel und ein Garten, der gerade nicht um den Titel „Schönste Grünanlage Brandenburgs“ konkurriert. Da liegt der Gedanke nahe, den Verkauf lieber auf das kommende Frühjahr zu verschieben.
Doch ganz so einfach ist es nicht. Denn auch die kalte Jahreszeit kann durchaus Vorteile bieten.
Der Immobilienmarkt kennt keinen Winterschlaf
Natürlich beeinflussen die Jahreszeiten, wie eine Immobilie wahrgenommen wird. Ein Einfamilienhaus mit großem Garten wirkt bei Sonnenschein und blühenden Pflanzen besonders einladend. Eine Dachgeschosswohnung mit großzügiger Terrasse kann im Sommer ihre Vorzüge ebenfalls besser ausspielen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass im Herbst oder Winter keine Immobilien gekauft werden.
Berufliche Veränderungen, Familienzuwachs, Trennungen, Erbschaften oder der Wunsch nach einem neuen Zuhause richten sich schließlich nicht nach dem Kalender. Wer aus persönlichen Gründen eine Immobilie sucht, verschiebt seine Entscheidung nicht unbedingt um mehrere Monate, nur weil draußen die Blätter fallen.
Gerade in Berlin und Brandenburg, wo die Nachfrage je nach Lage, Objektart und Preisniveau sehr unterschiedlich ausfallen kann, sind andere Faktoren häufig entscheidender als die Jahreszeit.
Weniger Konkurrenz kann ein Vorteil sein
Viele Eigentümer warten bewusst bis zum Frühjahr, bevor sie ihre Immobilie zum Verkauf anbieten. Dadurch kann das Angebot in bestimmten Marktsegmenten während der Herbst- und Wintermonate geringer ausfallen.
Für Verkäufer kann das eine Chance sein: Wer seine Immobilie in dieser Zeit anbietet, muss möglicherweise mit weniger vergleichbaren Objekten um die Aufmerksamkeit potenzieller Käufer konkurrieren.
Allerdings gibt es auch eine Kehrseite. Je nach Immobilienart und Region können in der kalten Jahreszeit weniger Interessenten aktiv suchen.
Ob sich daraus tatsächlich ein Vorteil ergibt, hängt deshalb immer von der konkreten Marktsituation ab. Eine gut geschnittene Eigentumswohnung in gefragter Berliner Lage unterliegt anderen Marktbedingungen als ein großes Einfamilienhaus im ländlichen Brandenburg.
Weniger Konkurrenz bedeutet also nicht automatisch einen schnelleren Verkauf. Aber sie kann die Sichtbarkeit eines gut positionierten Angebots verbessern.
Immobilienbesichtigung im Winter: Jetzt zeigt sich der Alltag
Ein weiterer Vorteil der kalten Jahreszeit wird häufig unterschätzt: Kaufinteressenten erleben eine Immobilie unter Bedingungen, die im Hochsommer kaum zu beurteilen sind.
Wie angenehm ist das Raumklima bei niedrigen Außentemperaturen? Wirken die Räume auch bei weniger Tageslicht freundlich? Wie hell ist das Wohnzimmer an einem typischen Novembernachmittag?
Gerade bei älteren Gebäuden können sich während der Heizperiode Fragen zum Zustand der Fenster, zur Heizungsanlage oder zum energetischen Standard besonders deutlich stellen.
Natürlich ersetzt eine Besichtigung weder eine technische Prüfung noch die Einsicht in die entsprechenden Unterlagen. Sie kann aber helfen, ein realistischeres Bild vom späteren Wohnalltag zu gewinnen.
Und mal ehrlich: Wenn eine Immobilie auch an einem grauen Novembertag überzeugt, ist das doch schon einmal ein gutes Zeichen.
Gute Immobilienfotos sind jetzt besonders wichtig
Während im Frühjahr häufig schon ein blühender Garten für eine attraktive Kulisse sorgt, braucht die Immobilienpräsentation im Herbst und Winter etwas mehr Aufmerksamkeit.
Dunkle Räume, ein trüber Himmel oder ein ungepflegter Außenbereich können den ersten Eindruck beeinträchtigen. Dabei lässt sich mit einer guten Vorbereitung einiges erreichen.
Für professionelle Immobilienfotos sollten möglichst helle Tagesstunden genutzt werden. Geöffnete Vorhänge, aufgeräumte Räume und eine dezente Beleuchtung schaffen eine freundliche Atmosphäre. Bei Außenaufnahmen lohnt es sich, auf geeignete Wetterbedingungen zu warten.
Auch ein Garten muss im Winter nicht aussehen wie aus dem Hochglanzmagazin. Entferntes Laub, gepflegte Wege und eine ordentliche Terrasse vermitteln bereits einen positiven Eindruck.
Wichtig ist allerdings, dass die Darstellung authentisch bleibt. Sommerfotos aus dem Archiv können ergänzend zeigen, wie der Garten in der warmen Jahreszeit aussieht. Sie sollten jedoch entsprechend gekennzeichnet werden und nicht über den aktuellen Zustand der Immobilie hinwegtäuschen.
Denn schöne Bilder sollen Interesse wecken – keine Erwartungen erzeugen, die bei der Besichtigung enttäuscht werden.
Besichtigungstermine brauchen etwas mehr Planung
Ein Punkt, den Verkäufer im Herbst und Winter berücksichtigen sollten, sind die kürzeren Tage.
Wer erst um 17 Uhr zur Besichtigung erscheint, kann Ende November viele Räume kaum noch bei natürlichem Tageslicht beurteilen. Deshalb empfiehlt es sich, Besichtigungen möglichst in die helleren Stunden zu legen.
Für berufstätige Interessenten ist das nicht immer einfach. Hier können Termine am Wochenende eine gute Alternative sein.
Auch die Vorbereitung der Immobilie spielt eine Rolle. Angenehm temperierte Räume, ausreichende Beleuchtung und ein gepflegter Eingangsbereich tragen zu einer positiven Besichtigungsatmosphäre bei.
Dabei geht es nicht darum, Schwachstellen zu kaschieren. Vielmehr sollen Interessenten die Möglichkeit erhalten, die Immobilie unter möglichst guten und gleichzeitig realistischen Bedingungen kennenzulernen.
Übrigens: Warum ein zweiter Besichtigungstermin auch für Kaufinteressenten sinnvoll ist, haben wir bereits in unserem Blogbeitrag „Beim ersten Mal verliebt, beim zweiten Mal genauer hingeschaut“ erläutert.
Bis zum Frühjahr warten – lohnt sich das finanziell?
Eine der wichtigsten Fragen lautet natürlich: Erzielt eine Immobilie im Frühjahr grundsätzlich einen höheren Verkaufspreis?
So pauschal lässt sich das nicht beantworten.
Der erzielbare Kaufpreis hängt vor allem von Lage, Zustand, Ausstattung, Energieeffizienz, Angebot und Nachfrage sowie den Finanzierungsmöglichkeiten potenzieller Käufer ab.
Wer mehrere Monate auf einen vermeintlich besseren Verkaufszeitpunkt wartet, sollte außerdem die laufenden Kosten berücksichtigen. Bei einer leer stehenden Immobilie fallen beispielsweise weiterhin Grundsteuer, Versicherungen, Heizkosten und gegebenenfalls Hausgeld an.
Hinzu kommt, dass sich die Marktbedingungen bis zum Frühjahr verändern können. Wie sich Zinsen, Nachfrage und vergleichbare Immobilienangebote entwickeln, lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen.
Es kann deshalb durchaus sinnvoll sein, bereits im Herbst oder Winter mit der Vermarktung zu beginnen, statt allein wegen der Jahreszeit abzuwarten.
Entscheidend ist nicht der Kalender, sondern die Verkaufsstrategie
Ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter: Eine erfolgreiche Immobilienvermarktung beginnt mit einer realistischen Einschätzung des Marktwertes.
Ein überhöhter Angebotspreis wird auch durch strahlenden Sonnenschein nicht automatisch attraktiver. Umgekehrt kann eine marktgerecht angebotene und professionell präsentierte Immobilie auch im November oder Dezember auf ernsthaftes Kaufinteresse stoßen.
Neben der Preisfindung kommt es auf die richtige Zielgruppenansprache, aussagekräftige Verkaufsunterlagen, eine ansprechende Präsentation und die passende Vermarktungsstrategie an.
Gerade der regionale Immobilienmarkt verlangt dabei eine differenzierte Betrachtung. Was in Berlin-Charlottenburg gut funktioniert, muss in Königs Wusterhausen, Falkensee oder Bernau noch lange nicht die beste Lösung sein.
Lokale Marktkenntnis ist deshalb zu jeder Jahreszeit ein wichtiger Erfolgsfaktor.
Auch im Winter kann der Immobilienverkauf gelingen
Wer seine Immobilie verkaufen möchte, muss nicht zwangsläufig auf die ersten Frühlingsblumen warten.
Zwar bringen Herbst und Winter einige Herausforderungen mit sich, insbesondere bei der Präsentation und der Planung von Besichtigungen. Gleichzeitig können ein geringeres Konkurrenzangebot und ernsthaft suchende Kaufinteressenten durchaus Chancen eröffnen.
Der beste Verkaufszeitpunkt ist deshalb nicht automatisch eine bestimmte Jahreszeit. Entscheidend sind die persönliche Situation des Eigentümers, die Marktbedingungen und eine durchdachte Vermarktungsstrategie.
Sie überlegen, Ihre Immobilie in Berlin oder Brandenburg zu verkaufen, sind aber unsicher, ob jetzt der richtige Zeitpunkt ist?
Das Team der Berliner Volksbank Immobilien GmbH unterstützt Sie gerne mit einer persönlichen Einschätzung Ihrer Immobilie und der aktuellen Marktsituation.
Denn wir kennen den Immobilienmarkt in Berlin und Brandenburg – und zwar nicht nur bei Sonnenschein.