Das Traumhaus ist gefunden – aber stimmt auch der zweite Eindruck? Wir zeigen sieben Punkte, bei denen Kaufinteressenten während einer Hausbesichtigung genauer hinschauen sollten.
Manchmal reichen schon die ersten Minuten: Der Garten gefällt, die Raumaufteilung passt und gedanklich steht das eigene Sofa bereits im Wohnzimmer. Immobilien dürfen Emotionen auslösen – schließlich soll aus vier Wänden irgendwann ein Zuhause werden.
Trotzdem lohnt es sich, bei einer Hausbesichtigung neben dem Herzen auch den Kopf mitzunehmen.
Denn manche Dinge, die auf den ersten Blick nebensächlich wirken, können später teuer werden. Andere sehen dagegen dramatischer aus, als sie tatsächlich sind. Deshalb gilt beim Immobilienkauf nicht: möglichst viele Mängel finden. Sondern: genau hinschauen, Fragen stellen und Auffälligkeiten richtig einordnen.
Auf diese sieben Punkte sollten Kaufinteressenten besonders achten.
1. Feuchtigkeit – hier lohnt sich der zweite Blick
Ein etwas muffiger Geruch im Keller muss bei einem älteren Haus noch kein Grund sein, rückwärts wieder zur Tür hinauszugehen. Feuchte Stellen, Verfärbungen oder sichtbarer Schimmel sollten jedoch ernst genommen werden.
Interessant ist dabei auch, ob einzelne Wandbereiche auffällig frisch gestrichen wurden. Das kann vollkommen harmlos sein – eine Nachfrage ist trotzdem erlaubt.
Woher kommt die Feuchtigkeit? Gab es bereits einen Schaden? Wurde dieser behoben? Liegen dazu Rechnungen oder andere Nachweise vor?
Nicht die Feuchtigkeit allein ist entscheidend, sondern ihre Ursache.
2. Risse: Nicht jeder ist ein Drama
Risse in Wänden lösen bei Kaufinteressenten verständlicherweise schnell Unbehagen aus.
Dabei gehören kleinere Putz- oder Setzrisse bei vielen Gebäuden schlicht dazu. Breitere, ungewöhnlich verlaufende oder wiederkehrende Risse sollte man dagegen genauer untersuchen lassen.
Für Laien ist die Ursache meist kaum zuverlässig zu beurteilen. Bestehen Zweifel und kommt die Immobilie ernsthaft für einen Kauf infrage, kann deshalb ein Bausachverständiger eine sinnvolle Investition sein.
Ein Gutachter kostet Geld. Ein übersehener erheblicher Bauschaden in der Regel deutlich mehr.
3. Dach und Fenster – teuer wird es häufig dort, wo man nicht zuerst hinschaut
Die Küche ist schnell begutachtet. Beim Dach wird es schon schwieriger.
Dabei können gerade Dach und Fenster erhebliche Investitionen nach sich ziehen. Kaufinteressenten sollten deshalb nach Alter, Zustand und bereits erfolgten Arbeiten fragen.
Wann wurde das Dach zuletzt saniert? Wie alt sind die Fenster? Welche Verglasung wurde verwendet?
Niemand erwartet bei einer Bestandsimmobilie, dass alles neu ist. Wichtig ist vielmehr, einschätzen zu können, welche Maßnahmen in den nächsten Jahren möglicherweise anstehen.
4. Die Heizung: Baujahr allein erzählt nicht die ganze Geschichte
Spätestens seit Energieeffizienz und Energiekosten stärker in den Fokus gerückt sind, gehört die Heizungsanlage zu den wichtigen Themen beim Hauskauf.
Neben dem Alter spielen der Energieträger, der Zustand der Anlage und der energetische Gesamtzustand des Gebäudes eine Rolle. Auch der Energieausweis liefert wichtige Anhaltspunkte.
Eine ältere Heizung bedeutet dabei nicht automatisch, dass das Haus nicht infrage kommt. Mögliche zukünftige Investitionen sollten jedoch bei der eigenen Finanzplanung berücksichtigt werden.
Der Kaufpreis ist schließlich nur ein Teil dessen, was eine Immobilie langfristig kostet.
5. Elektrik: Was hinter der Steckdose steckt
Eine frisch renovierte Wand sieht gut aus. Was sich dahinter verbirgt, sieht man dagegen nicht.
Gerade bei älteren Häusern kann die Elektroinstallation ein Thema sein. Wann wurde sie zuletzt erneuert? Gibt es einen modernen Sicherungskasten? Wurden Leitungen im Rahmen einer Modernisierung ausgetauscht?
Bei Unsicherheiten kann auch hier eine fachliche Einschätzung sinnvoll sein. Denn neue Tapeten sind schnell angebracht – neue Leitungen im ganzen Haus eher nicht.
6. Frisch renoviert – aber was wurde tatsächlich gemacht?
„Modernisiert“ ist ein schönes Wort. Allerdings kann es ziemlich viel bedeuten.
Für den einen sind damit ein neues Bad, neue Fenster und eine erneuerte Elektrik gemeint. Für den anderen ein neuer Fußboden und frisch gestrichene Wände.
Deshalb lohnt es sich, genauer nachzufragen: Was wurde wann von wem gemacht?
Ideal sind Rechnungen, Belege oder andere nachvollziehbare Unterlagen. Sie helfen Kaufinteressenten dabei, den tatsächlichen Zustand einer Immobilie besser einzuschätzen.
7. Fehlende oder widersprüchliche Unterlagen
Und damit sind wir bei einem Punkt, der bei der ersten Besichtigung leicht in den Hintergrund gerät.
Passt die angegebene Wohnfläche zu den Unterlagen? Sind Anbauten oder Umbauten nachvollziehbar? Gibt es Grundrisse, Energieausweis und Informationen über größere Modernisierungen?
Fehlt ein Dokument, muss das noch kein Warnsignal sein. Häufen sich allerdings Unklarheiten oder widersprechen sich Angaben, sollte man nachfragen.
Gerade beim Immobilienkauf gilt: Was sich vor dem Kauf klären lässt, sollte auch vor dem Kauf geklärt werden.
Wann sollte ein Gutachter mit zur Besichtigung?
Nicht jedes Haus benötigt sofort einen Sachverständigen. Wer jedoch eine ältere Immobilie, ein sanierungsbedürftiges Gebäude oder ein Objekt mit erkennbaren Auffälligkeiten kaufen möchte, kann von einer fachlichen Begleitung profitieren.
Und ja: Dafür kann durchaus eine zweite oder dritte Besichtigung notwendig sein.
Das ist kein Zeichen von übertriebener Vorsicht. Ein Immobilienkauf ist für die meisten Menschen eine der größten finanziellen Entscheidungen ihres Lebens. Da darf man ruhig zweimal hinschauen. Weitere Informationen finden Sie hier.
Das perfekte Haus gibt es selten
Wer eine Bestandsimmobilie kauft, sollte allerdings auch realistisch bleiben.
Ein 80 Jahre altes Haus darf Spuren seines Alters zeigen. Nicht jede Unebenheit, jede knarrende Diele und jeder kleine Riss ist ein Mangel. Manchmal ist genau das sogar Teil des Charmes, wegen dem man sich in das Haus verliebt hat.
Entscheidend ist, zwischen normalen Alterserscheinungen und möglichen kostspieligen Problemen unterscheiden zu können.
Dabei helfen gute Unterlagen, offene Antworten und – wenn erforderlich – der Rat eines Fachmanns.
Fazit: Verlieben erlaubt – prüfen ausdrücklich empfohlen
Eine Immobilie kauft kaum jemand ausschließlich mit dem Taschenrechner. Lage, Atmosphäre und das berühmte Bauchgefühl spielen eine wichtige Rolle.
Doch bevor aus dem Traumhaus das eigene Zuhause wird, lohnt sich ein genauer Blick auf den tatsächlichen Zustand.
Feuchtigkeit, auffällige Risse, Dach und Fenster, Heizung, Elektrik sowie nicht nachvollziehbare Modernisierungen oder Unterlagen sind Punkte, die Kaufinteressenten bei einer Hausbesichtigung nicht einfach übergehen sollten.
Das bedeutet nicht, nach Fehlern zu suchen.
Es bedeutet, eine große Entscheidung gut informiert zu treffen.
Und wenn am Ende Herz und Verstand Ja sagen, sind das schon einmal ziemlich gute Voraussetzungen für den Immobilienkauf.
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